Heizung aus – Warmwasser für vier Personen für rund 35 Cent am Tag

tl;dr: Seit Anfang April läuft unsere Heizung nicht mehr – wir brauchen nur noch Warmwasser. Das kostet uns bei PV-Eigenversorgung insgesamt rund 30–40 Cent am Tag. Zum Vergleich: Eine Gas- oder Ölheizung würde für dieselbe Warmwassermenge aktuell das Drei- bis Fünffache kosten.


Seit einigen Tagen liegt die Tagestemperatur zuverlässig über 13–14 °C – und damit ist in unserem Bio-Solar-Haus (BSH) die Heizsaison 2024/25 offiziell beendet. Genauer gesagt: Wir haben unser Haus per KNX auf »Sommer« umgeschaltet – eine Eigenimplementierung, die unter anderem eine Heizsperre in der Lambda-Steuerung setzt. Damit läuft unsere Lambda-Wärmepumpe ausschließlich im Warmwasserbetrieb.

Bereits im März hatten wir an den paar warmen Tagen bewusst in den Sommerbetrieb umgeschaltet – und als das Wetter Anfang April noch einmal kühler wurde, einfach zurück. Ein Umschalten in der KNX-Visualisierung, und die Lambda »weiß«, dass sie nicht mehr heizen soll.

Wie funktioniert das konkret?

Die Lambda-Steuerung kennt vereinfacht drei Betriebszustände: Heizen, Kühlen und Warmwasser. Den Kühlbetrieb klammern wir hier aus – der kommt bei uns erst ab etwa 27 °C Außentemperatur zum Tragen und ist für die aktuelle Betrachtung nicht relevant. Solange die Heizsperre aktiv ist, prüft die Lambda nur noch die Puffertemperatur – ist der Puffer noch warm genug, passiert gar nichts. Unterschreitet die Temperatur den Sollwert, schaltet die Wärmepumpe in den Warmwasserbetrieb, heizt nach und geht wieder in Stand-by.

Parallel dazu haben wir die Lambda so konfiguriert, dass sie bei ausreichend großem PV-Überschuss ebenfalls Warmwasser erzeugt – begrenzt auf maximal 55 °C Puffertemperatur, damit wir den Speicher nicht unnötig überheizen. Der PV-Überschuss wird über einen Modbus-Zähler überwacht; ab einem definierten Schwellwert mit Ein-/Ausschaltverzögerung springt die Wärmepumpe an und verbraucht den Sonnenstrom sinnvoll, bevor er ins Netz geht. Die Lambda versucht dabei – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – möglichst genau den Überschuss zu nutzen und regelt die Leistung entsprechend dynamisch.

Das Ergebnis sieht man gut in unseren Grafana-Diagrammen der letzten Tage:

Tagesverbrauch der Lambda EU08-L Wärmepumpe vom 04. bis 10. April 2026 – Balkendiagramm aus Grafana. Jeder Balken zeigt den Gesamtverbrauch eines Tages aufgeteilt in Verdichter und Steuerung/Pumpen. Die Werte liegen zwischen 3 und 5 kWh pro Tag; der Verdichter macht dabei den größten Anteil aus (Wochensumme 23 kWh, Ø 3,3 kWh/Tag), Steuerung und Pumpen kommen auf insgesamt 6 kWh (Ø 0,9 kWh/Tag). Gesamtverbrauch der Woche: 29 kWh.

Grafana-Tagesverbrauch Lambda EU08-L Wärmepumpe, 04.–10. April 2026 – Balkendiagramm mit Verdichter- und Pumpenverbrauch in kWh

Am 08., 09. und 10. April – den ersten reinen Warmwasser-Tagen – lag der Gesamtstromverbrauch der Wärmepumpe bei 3 bis 4 kWh pro Tag (Verdichter plus Steuerung und Pumpen). Sie lief dabei nur in kurzen Zyklen: einmal frühmorgens, einmal um die Mittagszeit – dazwischen stundenlanger Stand-by. Am Donnerstag, dem 09.04., etwa gegen 05:30 Uhr und nochmals gegen 11:30 Uhr. Heute Morgen kurz nach 05:00 Uhr.

WP-Status und Betriebszustand der Lambda EU08-L Wärmepumpe vom 08. bis 10. April 2026 – zwei Zeitreihen aus Grafana. Oben der WP-Status: die Wärmepumpe befindet sich überwiegend im Zustand »Betriebsbereit« (Standby), unterbrochen von kurzen Warmwasser-Zyklen mit Verdichterstart und Regelbetrieb. Am 09.04. zwei Zyklen gegen 05:30 und 11:30 Uhr, am 10.04. ein Zyklus kurz nach 05:00 Uhr. Unten der Betriebszustand: bestätigt die Standby-Dominanz mit kurzen Brauchwasser-Phasen (gelb) und vereinzelten Sperrzeit-Fenstern (grau).

Grafana-WP-Status und Betriebszustand 08.–10. April 2026 – Zeitreihe mit Brauchwasser-Zyklen, Stand-by-Phasen und Sperrzeiten

Was kostet das – und was würde es sonst kosten?

Bei einem COP (Coefficient of Performance) des Verdichters von rund 4,5 und einem Gesamt-COP von um die 4,0 erzeugen wir aus 3–4 kWh Strom ungefähr 10–12 kWh Wärme – genug Warmwasser für vier Personen plus Bürobetrieb.

Was das kostet, hängt davon ab, woher der Strom kommt:

  • Aus unserer PV-Anlage (ca. 24 kWp): kalkulatorisch rund 0,10 €/kWh – macht 30–40 Cent pro Tag
  • Aus dem Netz (aktuell ~0,34 €/kWh): rund 1,00–1,35 € pro Tag

Zum Vergleich – was würde dieselbe Wärmemenge mit fossilen Energieträgern kosten?

Heizsystem Wirkungsgrad Kosten/Tag (ca.)
Alter Gaskessel (Baujahr vor 2000) ~78 % ~1,45 €
Moderner Gasbrennwertkessel ~97 % ~1,15 €
Alter Ölbrenner (Baujahr vor 2000) ~78 % ~1,85 €
Moderner Ölbrenner (Brennwert) ~95 % ~1,50 €
Unsere Wärmepumpe – Netzstrom COP ~4,0 ~1,00–1,35 €
Unsere Wärmepumpe – PV-Eigenanteil COP ~4,0 ~0,30–0,40 €

Gaspreise nach BDEW/Destatis, Stand April 2026: ~0,111 €/kWh. Heizöl aktuell: ~1,43 €/Liter (Stand 10.04.2026) – inklusive CO₂-Abgabe von rund 20 Cent pro Liter.

Warum der Heizöl-Vergleich gerade so deutlich ausfällt: Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar 2026 und der daraus folgenden Teilblockade der Straße von Hormus sind die Heizölpreise innerhalb weniger Wochen um rund 40–50 % gestiegen. Was Anfang des Jahres noch unter 90 € pro 100 Liter zu haben war, kostet heute rund 143 €. Fossile Energiepreise waren schon immer volatil – wie volatil, wird einem allerdings erst so richtig bewusst, wenn man nicht mehr direkt davon betroffen ist.

Thema »Friedensenergie«

Es gibt noch eine andere Rechnung, die wir zunehmend wichtiger finden – und die weder in Cent pro Kilowattstunde noch in Emissionswerten auftaucht.

Wer mit Heizöl oder Erdgas heizt, schickt einen Teil seines Geldes in Länder, deren politische Systeme man zumindest als »schwierig« bezeichnen darf. Keine neue Erkenntnis – allerdings wird sie gerade wieder sehr greifbar.

Seit einigen Jahren gibt es dafür den Begriff der »Friedensenergie« für erneuerbare Energien (vgl. u. a. Dr. Michael Blume: »Erneuerbare Energien als Friedensenergien« oder »Die vier Vorteils-Dimensionen erneuerbarer Energien: Klima, Frieden, Wohlstand, Demokratie«).

Sonnenenergie gehört dazu: Sie fällt auf unser Dach, wird vor Ort genutzt, und das Geld, das wir nicht für fossile Energie ausgeben, bleibt im regionalen Wirtschaftskreislauf. Die Handwerker:innen, die unsere Anlage installiert haben, kommen aus der Region. Wartung und Service bleiben lokal.

PV-Module und Wechselrichter kommen aus chinesischer Produktion – das ist eine Einschränkung, die ich offen ansprechen möchte. Unser Wechselrichter stammt von Fenecon (Deggendorf), die einen GoodWe-Wechselrichter mit eigener Firmware und eigenem Service-Ökosystem ausstatten – zumindest ein Teil der Wertschöpfung, der in Deutschland bleibt. Dazu kommt: Die Investition in die Anlage ist einmalig, die Laufzeit 25 Jahre. Gemessen an den Betriebskosten über diesen Zeitraum fällt der Hardware-Anteil vergleichsweise gering aus.

Fazit

Unser Bio-Solar-Haus braucht seit Anfang April keine aktive Heizung mehr. Das ist, nach über zwölf Jahren Wohnen in diesem Haus, immer noch ein schöner Moment – auch wenn es mich früher fast noch mehr gefreut hat, als wir noch mit Holz heizten.

Was sich verändert hat: Wir können diesen Moment jetzt sehr konkret beziffern. Warmwasser für vier Personen plus Büro, erzeugt aus eigenem Sonnenstrom, für rund 30–40 Cent am Tag. Verglichen mit dem, was eine fossile Heizung heute dafür aufruft – und der Abhängigkeit, die damit einhergeht – spricht diese Zahl für sich.

Wie immer freuen wir uns über Kommentare und Erfahrungen aus anderen Häusern.

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