tl;dr: Gerade wurde bei uns das Display der Lambda EU08L-Wärmepumpe vom Steuerungsset 02 auf das neue Steuerungsset 03 getauscht. Die Hardware ist ein deutlicher Sprung – kapazitives Glas-Display, höhere Auflösung, spürbar schnellere Reaktionszeiten. Der Upgrade-Prozess selbst ist allerdings alles andere als komfortabel: Sämtliche Einstellungen gehen verloren und müssen manuell neu eingegeben werden. Kostenpunkt: bei uns rund 930 € inkl. allem – der Preis hängt vom jeweiligen Installateur ab.
Am 15. April war es so weit: Die Firma Kälte-Klima-Müller aus Alfter hat bei unserer Lambda EU08L-Wärmepumpe das bisherige Display (Steuerungsset 02) gegen das neue Steuerungsset 03 getauscht.
Auf das Upgrade bin ich eher zufällig aufmerksam geworden – über ein Video des YouTube-Kanals bonotos, der bei Lambda zu Besuch war und ein Gespräch mit Florian Entleitner, dem Geschäftsführer der LAMBDA Wärmepumpen GmbH, geführt hat. Daraufhin habe ich bei Kälte-Klima-Müller angefragt – und die waren schnell: Angebot kam prompt, nach der Beauftragung hatten wir in kurzer Zeit den Montagetermin. An dieser Stelle gerne eine Empfehlung.
Warum überhaupt ein Display-Upgrade?
Zunächst eine wichtige Klarstellung: Lambda nennt die Aktion »Displaytausch«, allerdings wird dabei nicht nur das Display gewechselt. Die neue Fronteinheit besteht aus einem neuen Bildschirmgehäuse, einem leistungsfähigeren Steuerungsrechner und dem eigentlichen Display. Diese Einheit wird mit einer mitgelieferten Metall-Adapterplatte auf das vorhandene Gehäuse der Steuerungseinheit (mit Relais, Anschlüssen etc.) montiert. Es ist also mehr als ein reiner Bildschirmtausch – die Basis-Hardware bleibt allerdings bestehen.
Das alte Display tat seinen Dienst – und verglichen mit dem, was andere Heizungshersteller an Bedienelementen verbauen, war das Steuerungsset 02 schon ein Träumchen. Ja, die Auflösung von 600 × 480 Pixeln war etwas grob, allerdings hinreichend brauchbar. Was mich eher störte: Der resistive Touchscreen – also die Kunststoff-Oberfläche, die auf Druck reagiert – fühlte sich im Vergleich zu modernen kapazitiven Displays ziemlich behäbig an. Dazu kam eine spürbar begrenzte Rechenleistung, die sich in zähen Reaktionszeiten beim Navigieren bemerkbar machte. Das Gehäuse aus 3D-Druck war funktional und für den Heizungs-/Technikkeller, wo es hängt, auch völlig in Ordnung – eher ein erwähnenswertes Detail als ein echter Kritikpunkt.
Ehrlich gesagt spielt das physische Display bei uns im Alltag eine eher untergeordnete Rolle. Beide Steuerungssets – das alte wie das neue – lassen sich über Lambdas »Connected Heat« komplett per Web-Oberfläche bedienen. Ich steuere unsere Lambda fast ausschließlich darüber. Zusätzlich bieten beide Steuerungen auch einen lokalen VNC-Zugang, der nicht groß beworben wird, allerdings zuverlässig funktioniert – auch hier großes Lob an Lambda. Das Display selbst kommt bei mir eigentlich nur zum Einsatz, wenn ich direkt im Keller stehe.
Was hat sich verbessert?
Das neue Display ist in fast jeder Hinsicht ein Schritt nach vorn:
- Kapazitives Glas-Display statt des resistiven Touchscreens – die Bedienung fühlt sich deutlich direkter und moderner an
- Höhere Auflösung: 1024 × 600 Pixel statt 600 × 480 – das klingt nach wenig, macht im Alltag allerdings einen spürbaren Unterschied, weil teilweise mehr Informationen auf eine Seite passen
- Deutlich schnellere Reaktionszeiten – man merkt sofort, dass hier mehr Rechenleistung unter der Haube steckt
- Neues Gehäuse aus Spritzguss statt 3D-Druck, was insgesamt hochwertiger wirkt
- Neue Statistikfunktionen: Das Steuerungsset 03 bringt eine statistische Aufzeichnung von Energie- und Effizienzdaten auf Stunden-, Tages-, Monats- und Jahresbasis mit – das konnte das alte Display nicht. Etwas ironisch angesichts der Tatsache, dass alle bisherigen Zähler beim Upgrade verloren gehen, allerdings für die Zukunft ein echter Mehrwert.
- »LAMBDA Wärmefahrplan® ready«: Lambda kündigt an, dass das Steuerungsset 03 für den kommenden Wärmefahrplan vorbereitet ist – eine Funktion, die eine vorausschauende Steuerung auf Basis von Wetterdaten und Nutzungsprofilen ermöglichen soll. Im oben erwähnten bonotos-Video gibt es dazu einige weitere Details.




Was sich geändert hat – neutral betrachtet
Nicht alles ist besser oder schlechter, manches ist einfach anders:
Die Navigation funktioniert jetzt über Scrollen statt Blättern. Direkt am Display fühlt sich das für mich intuitiver an, auch wenn nicht immer sofort erkennbar ist, dass eine Seite scrollbar ist. Per Web-Fernsteuerung (Connected Heat) funktioniert das Scrollen über das Scrollrad – geht so, allerdings brauchbar. Für Screenshots ist die neue Navigation allerdings unpraktischer, weil Inhalte nicht mehr sauber auf einzelne Seiten aufgeteilt sind.
Die Gehäusefarbe ist jetzt dunkelgrau. An einer weißen Lambda-Steuerung sieht das nicht ganz so harmonisch aus wie das vorherige hellere Gehäuse – Geschmackssache, allerdings fällt es auf.
Außerdem hat das neue Display eine Pufferbatterie verbaut (vermutlich CR2032). Ob die für die Uhrzeit, für Einstellungen oder beides zuständig ist, muss ich noch herausfinden.
Der Wetterdienst wechselt vom bisherigen »Open Weather« auf den neuen »Lambda remote weather server«. Klarer Pluspunkt: Die Einrichtung ist deutlich einfacher – einfach in der Wärmepumpen-Einstellung der Lambda-Weboberfläche aktivieren und fertig, kein separater API-Key oder Konfigurationsaufwand mehr. Weniger schön: Statt alle 15 Minuten werden die Wetterdaten jetzt nur noch alle 2 Stunden abgefragt. Für eine Heizungssteuerung vermutlich ausreichend, allerdings ein Rückschritt gegenüber dem bisherigen Intervall.
Die Warmwasser-Boost-Funktion ist weiterhin vorhanden – wir hatten zunächst gedacht, sie wäre weggefallen. Das Boost-Icon erscheint allerdings erst, wenn unter Brauchwasser → Einstellungen die Option »Ladezeiten aktiv« eingeschaltet ist. Nicht sofort offensichtlich, funktioniert dann allerdings wie gewohnt. Falls also jemand nach dem Upgrade den Boost vermisst: Erst diese Einstellung prüfen.
Die Bildschirmkalibrierung ist beim Steuerungsset 03 ebenfalls entfallen – vermutlich, weil sie beim kapazitiven Glas-Display schlicht nicht mehr benötigt wird.
Was mir nicht so gut gefällt
Und dann gibt es die Punkte, die mich wirklich stören – teilweise am neuen Display selbst, teilweise am Upgrade-Prozess.
Am neuen Display
Einige Funktionen, die im Steuerungsset 02 vorhanden waren, fehlen im neuen:
- VNC-Einstellungen sind im Display-Menü nicht mehr verfügbar. Lokales VNC funktioniert zwar weiterhin – allerdings lässt sich die Konfiguration nicht mehr direkt am Display vornehmen.
- Es können keine eigenen Benutzer:innen mehr angelegt werden.
- Die E-Mail-Einstellungen sind komplett entfallen.
- Ebenso gibt es keine NTP-Einstellungen mehr – dafür lässt sich in der 03er-Steuerung immerhin die Zeitzone konfigurieren.
- Sämtliche Statistiken und Zähler starten bei null. Die gesamte Historie des alten Displays geht verloren – Betriebsstunden, Energiezähler, alles weg.
Am Upgrade-Prozess
Der Wechsel selbst ist … sagen wir: optimierungsbedürftig.
In der Anleitung von Lambda steht sinngemäß: »Bitte vorab alle Einstellungen und Konfigurationen festhalten (Foto oder Screenshot).« Das klingt nach fünf Minuten Arbeit. In der Praxis sind es bei einer fertig konfigurierten Anlage mit Warmwasser-Zeitprogrammen, PV-Überschuss-Einstellungen, Modbus-Konfiguration, Heizkreis-Parametern und den ganzen Statistikdaten über 80 Screenshots. Wer keine systematische Backup-Lösung hat, sitzt da eine Weile.
Genau daher hatte ich mein Lambda-VNC-Backup-Projekt aufgesetzt: Mir war klar, dass ich bei der Menge an Einstellungen und Statistikseiten keine Lust auf manuelle Screenshots oder »Abfotografieren« hatte – und schon gar nicht auf Fehler, die dabei unweigerlich passieren. Über VNC habe ich vorab rund 80 bis 90 Screenshots systematisch erstellt und gesichert. Ohne dieses Backup wäre die Wiederherstellung noch deutlich mühsamer geworden. Das Projekt ist bisher noch nicht veröffentlicht – bei Interesse werde ich es als Open Source auf Codeberg bereitstellen. Falls das für euch nützlich wäre: Schreibt es gerne in die Kommentare, dann weiß ich, ob sich der Aufwand für eine saubere Veröffentlichung lohnt.
Nach dem physischen Tausch müssen dann wirklich sämtliche Einstellungen manuell neu eingegeben werden – darunter auch Werte, die für den grundlegenden Betrieb und die Neu-Inbetriebnahme zwingend erforderlich sind. Die auf USB gespeicherten Einstellungen des alten Displays lassen sich natürlich nicht auf das neue übertragen.
Apropos USB: Der USB-Anschluss ist beim neuen Display nur noch bei ausgebauter Einheit erreichbar. Und selbst dann passen nur kleine USB-Sticks, weil der Platz begrenzt ist.
Inbetriebnahme-Bug: Mischer-Relais lässt sich nicht zuweisen
Bei der Heizkreis-Konfiguration (HW-Settings) trat ein weiteres Problem auf: Für den Mischer konnte Rel2 nicht auf »Relais X11_2« eingestellt werden. Bei jeder Auswahl sprang der Wert automatisch auf »Relais X12_2« zurück. Unser Monteur meldete das direkt an den technischen Support von Lambda, der das Problem per Remote-Zugriff bestätigen konnte – es war also kein Bedienfehler.
Die Lösung: Der Mischer wurde physisch auf Relais X12 umgeklemmt. Dort ließen sich X12_1 und X12_2 problemlos auswählen und die Konfiguration lief sauber durch. Beim Steuerungsset 02 lief der Mischer problemlos auf X11_2 – es handelt sich also um ein Regressionsproblem des neuen Displays. Ob Firmware-Bug oder grundsätzliches Problem des Steuerungssets 03, konnte der Support in dem Moment nicht abschließend sagen.
Was kostet das Upgrade?
Der Grundpreis des neuen Lambda-Steuerungssets 03 liegt bei 480 € zzgl. MwSt. Bezahlt haben wir inklusive Lieferung, Montage, Inbetriebnahme, Anfahrt und Mehrwertsteuer insgesamt rund 930 €. Dabei habe ich die Übertragung der Einstellungen – also die ganze Neukonfiguration nach der Inbetriebnahme – größtenteils selbst vorgenommen. Definitiv keine wirklich schöne Arbeit.
Knapp 1.000 € sind eine Menge Geld für ein Display-Upgrade. Wir wussten allerdings vorher, worauf wir uns einlassen – und die bessere Hardware rechtfertigt den Preis aus meiner Sicht langfristig. Wer allerdings hofft, dass der Wechsel ein schneller Plug-and-Play-Vorgang ist, wird enttäuscht sein.
Was ich an dieser Stelle ausdrücklich lobenswert finde: Lambda bietet dieses Upgrade überhaupt an. Viele Heizungshersteller tun das schlicht nicht – wer vor zwei oder drei Jahren eine Wärmepumpe gekauft hat, bekommt bei den meisten Herstellern keine Möglichkeit, die Steuerung nachträglich auf den aktuellen Stand zu bringen. Dass wir unsere Lambda EU08L nach etwas über zwei Jahren steuerungstechnisch verbessern können, ist bei aller berechtigten Kritik am Prozess und am Preis nicht selbstverständlich. Das Upgrade wird allerdings nur über die Installationsfirmen angeboten – direkt bei Lambda bestellen geht nicht.
Modbus TCP: Noch nicht alles rund
Laut Lambda-Support soll Modbus TCP beim Steuerungsset 03 in gleicher Weise funktionieren wie beim Vorgänger – solange nur die im Protokolldokument beschriebenen Register verwendet werden.
In der Praxis sieht das bei mir aktuell anders aus: Das Register für die Außentemperatur (Ambient Temperature, Register 002) liefert seit dem Wechsel den Wert –2999 zurück – offensichtlich ungültig. Ebenso erhalte ich für T-EQout (Register 1008) ungültige Werte.
Ich hatte bisher noch keine Zeit, den Lambda-Support dazu zu kontaktieren. Sobald ich eine Rückmeldung habe, werde ich hier berichten. Falls jemand das Steuerungsset 03 bereits mit Modbus TCP im Einsatz hat und ähnliche oder andere Erfahrungen gemacht hat – gerne in die Kommentare damit.
Fazit
Das Lambda-Display-Upgrade auf das Steuerungsset 03 ist ein spürbarer Hardware-Fortschritt: besseres Display, schnellere Hardware, flüssigere Bedienung, wertigeres Gehäuse, neue Statistikfunktionen und die Aussicht auf den Wärmefahrplan. Dass Lambda dieses Upgrade überhaupt anbietet, verdient Anerkennung – bei den meisten Herstellern gibt es so etwas schlicht nicht.
Die fehlenden Funktionen (eigene Benutzer:innen, VNC- und NTP-Einstellungen, E-Mail-Konfiguration) und der Verlust aller Statistikdaten trüben das Bild allerdings. Der Upgrade-Prozess selbst – sämtliche Einstellungen manuell sichern und neu eingeben – ist ziemlich umständlich. Eine komfortablere Migration hätte ich bevorzugt.
Wer den Wechsel plant: Nehmt euch die Zeit, vorher wirklich alles zu dokumentieren. 80+ Screenshots klingen übertrieben, sind es allerdings nicht.
Wie immer freuen wir uns über Kommentare und Erfahrungen – insbesondere zum Modbus-Thema würde mich interessieren, ob andere das Problem bestätigen können.